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Spree-Tour


GelÀndedarstellung: © 1998 Microsoft (Encarta)
[Mi, 05. Juli 2006]

Der Sommer gönnt sich auch an diesem Tag keine Verschnaufpause. Und wir uns auch nicht. Solange die Sonne scheint, wollen wir voran kommen. Wer weiß, wann das Wetter kippt und uns einen Ruhetag aufzwingt. FĂŒr den morgigen Tag waren zumindest laut einem Wetterbericht im Radio die ersten Gewitter angesagt. Nachdem wir die Rechnung von gerade mal fĂŒnf Euro fĂŒr unseren Campingaufenthalt und ein paar Cent fĂŒrs Duschen beglichen und uns beim Campingplatz-Oberinspektor mit HĂ€ndeschĂŒtteln verabschiedet haben, schieben wir unser auf den Bootswagen aufgebocktes Boot wieder an den Steg zurĂŒck, lassen es zu Wasser und beladen es mit unserem Kram.

Wir orientieren uns an unserem GewĂ€sserfĂŒhrer und halten uns beim Weiterpaddeln links, wo wir laut Beschreibung an die Bootsschleppe kommen sollen. Statt dessen treffen wir auf die vollautomatische Schleuse, die sich eigentlich am Ende des rechts abknickenden Spreearmes befinden soll. Da wir keine Lust haben, wieder zurĂŒckzupaddeln, warten wir die halbe Stunde, bis sich das Schleusentor endlich öffnet. Gemeinsam mit einem etwas grĂ¶ĂŸeren Motorboot gelangen wir in den nĂ€chsten Spreeabschnitt. Hier ist der Fluss wieder schmaler und wirkt naturbelassener als auf dem breiten Abschnitt gestern hinter dem Glower See. Wir durchpaddeln einen kleineren See, verzichten auf eine ursprĂŒnglich ins Auge gefasste Pause an dem Gasthaus in Radinckendorf und flĂ€zen uns schließlich, als der erste Hunger kommt, auf eine Wiese. Leider steht das Gras sehr hoch, so dass mir zum ersten Mal seit unserer Übernachtung in Petkamsberg der Heuschnupfen wieder etwas zu schaffen macht. Aus diesem Grund verzichten wir auf ein Nickerchen. Kordula holt es kurze Zeit spĂ€ter einfach auf dem Boot nach. Als wir dĂ­e Abzweigung in die Drahendorfer Spree erreichen, ist jedoch wieder ihr Einsatz gefragt. Es muss geschleust werden, und Schleusen gehören inzwischen zu Kordulas liebstem Spielzeug. Die Kurbelei an dem nicht mehr ganz zeitgemĂ€ĂŸen Modell erfordert Kraft, stellt aber fĂŒr Kordula kein Hindernis dar.

Bald darauf paddeln wir die vielgewundene Drahendorfer Spree entlang, immer auf der Jagd nach Schatten spendenden BĂ€umen entlang der Uferlinie. Als wir NeubrĂŒck erreichen, haben wir 18 km absolviert und unser Tagesziel erreicht, obgleich wir noch Zeit hĂ€tten bis zum Oder-Spree-Kanal zu paddeln, wo es eine Zeltgelegenheit an einem Forsthaus geben soll. Doch das klingt uns ein bisschen zu sehr nach verlassener Einöde und so ziehen wir das bescheidene Niveau an Zivilisation in NeubrĂŒck, wo es immerhin eine kleine GaststĂ€tte gibt, vor — zumal wir von einem Ă€lteren PĂ€rchen, das an dem dortigen Wasserwander-Rastplatz gerade entlangspaziert, außerordentlich freundlich begrĂŒĂŸt und empfangen werden. Nachdem wir ein wenig Zeit verbummelt haben, ein bisschen in der hier etwas krĂ€ftiger strömenden Spree geschwommen sind und unser Zelt aufgestellt haben, bekommen wir abermals Besuch. Diesmal sind es zwei Radfahrer, die hier eine kleine Badepause einlegen. Ein junggebliebener MittfĂŒnfziger mit Vollbart und wallendem Haar schwĂ€rmt uns in höchstem Ton vom Spreeforsthaus am Oder-Spree-Kanal vor — wie sich herausstellt, kennt er die Besitzer -, das wir als Tagesetappenziel wenige Stunden zuvor verworfen haben. Nicht nur gutes Essen, auch Zimmer und Duschen soll es dort geben, und Geschichte hat das HĂ€uschen auch aufzuweisen. RAF-Terroristen wie Henning Beer und Christian Klar haben hier in den Siebziger Jahren unter Stasi-Anleitung das Panzerfaust-Schießen gelernt. SpĂ€ter wurden dort die Aussteiger aus der RAF auf ihr neues Leben als BĂŒrgerinnen und BĂŒrger der DDR vorbereitet. Hört sich alles sehr interessant an, doch nun ist der Tag zu weit fortgeschritten, als dass wir die 10 km doch noch auf uns nehmen. So bleiben wir nach einer kurzen Phase der Verunsicherung schließlich in NeubrĂŒck.

In der an der BrĂŒcke gelegenen GaststĂ€tte bekommen wir sogar noch etwas zu essen: Kesselgulasch und Soljanka. Kordula nimmt zum Nachtisch ein großes Eis, das sie sich an einem der Vorabende verdient hat, in dem sie in einer Kniffelrunde ĂŒber 300 Punkte schaffte. Leider rechnet uns der Wirt hinterher ein Bier zu viel ab, was wir aber erst spĂ€ter merken. Richtig Ă€rgern kann man sich aber darĂŒber angesichts der niedrigen Preise in diesem Landstrich eigentlich nicht. Da trifft mich die Niederlage Portugals gegen Frankreich im zweiten WM-Halbfinale, das ich spĂ€tabends vorm Zelt liegend im Radio verfolge, schon mehr.

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