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Umzug nach Werder


Gel├Ąndedarstellung: ┬ę 1998 Microsoft (Encarta)
[So, 09. Juli 2006]

Unser Plan klappt wie am Schn├╝rchen. Wir stehen zeitig auf, fr├╝hst├╝cken und sind um 8.40 Uhr an der Bushaltestelle, die wir am Vorabend entdeckt haben. Die Fahrt zum S-Bahnhof dauert keine Viertelstunde. Dort haben wir Gl├╝k, als p├╝nktlich um 9.00 Uhr ein Schalter aufmacht, so dass wir aus der Warteschlange der Ratlosen ausscheren k├Ânnen, die die Aufschrift der zahllosen Kn├Âpfe an einem Fahrkartenautomat studieren. Oben am Gleis herrscht ordentlich Rummel. Schwarz, rot, gold dominiert. Die deutsche Fu├čballnationalmannschaft hat sich f├╝r den Morgen auf der Berliner Fanmeile angek├╝ndigt, um sich von ihren Anh├Ąngern und von der Fu├čball-WM zu verabschieden.

Der Regional-Express bringt uns bis zum Ostbahnhof, obgleich wir nicht ganz sicher sind, ob es wirklich notwendig, geschweige denn mit unserem Ticket ├╝berhaupt erlaubt ist, so weit in die Stadt hinein zu fahren. Doch die beiden Fahplan-Ausz├╝ge, die wir uns vorausschauenderweise bereits in L├╝bbenau zugelegt haben, verraten uns, dass wir dort Anschluss an eine Regionalbahn nach L├╝bbenau haben werden. Also steigen wir dort um. Nun sind wir zum ersten Mal in diesem Urlaub so richtig in Berlin. Eineinhalb Stunden sp├Ąter jedoch, um 11.15 Uhr, sind wir wieder im sonnigen Spreewald.

Als wir bei unserem nahe des Bahnhofst stehenden Auto ankommen, sind wir erst einmal erleichtert, dass es noch da steht. Dreckig ist es geworden w├Ąhrend dieser Woche — der Baum, unter dem es steht, hat in dieser Hinsicht alles gegeben — aber es ist noch da. Wie berechtigt unsere Erleichterung ist, erfahren wir kurze Zeit sp├Ąter. Unter dem Scheibenwischer kleben zwei Kn├Âllchen, die uns das unerlaubte Parken auf einem Gehsteig vorwerfen und uns daf├╝r mit 15 Euro bestrafen. Wir sind verwirrt. Dieser Sandstreifen neben dem eigentlichen Gehweg ist kein Parkplatz? Und hatten die blauen Schilder nicht das Parken dort ausdr├╝cklich erlaubt? Eine Anwohnerin, die gerade aus dem Fenster des nahestehenden Hauses blickt, entdeckt uns, und gibt uns bereitwillig Auskunft. Nein, das Schild weiter hinten erlaubt das Parken nur bis zur Stra├čeneinm├╝ndung, dahinter nicht. H├Ârt sich ein wenig nach Touristen-Falle an. Da hier nicht einmal ein Parkverbotsschild steht, w├Ąre es also erlaubt gewesen, das Auto statt auf dem breiten Sandstreifen auf der engen Stra├če zu platzieren. Zu guter Letzt k├Ânnen wir soger froh sein, nicht abgeschleppt worden zu sein. Laut der Anwohnerin habe die Politesse dies in die Wege leiten wollen, h├Ątte der Wagen noch l├Ąnger dort gestanden. Gl├╝ck im Ungl├╝ck also — wobei wir mit der Aktion, das Auto nicht auf dem Campingplatz zu belassen nun nicht wirklich Geld gespart haben.

Mangels Hunger verwerfen wir den Gedanken, noch einmal den sch├Ânen Biergarten am Alten Hafen aufzusuchen, und machen uns direkt auf den R├╝ckweg nach Berlin. Die Fahrt vergeht wie im Fluge. Den Weg zu finden, bereitet uns keine gr├Â├čeren Schwierigkeiten, auch wenn wir uns an der Autobahnabfahrt zun├Ąchst f├╝r die falsche Richtung entscheiden. Leider liegt unser Parkplatz am Campingplatz dann ein gutes St├╝ck von Zelt und Boot entfernt, so dass einiges an Schlepperei auf uns zukommt. Ein kleiner Defekt am Boot bereitet uns dann noch etwas Kummer. Einer der Metallringe an der Bootshaut, ├╝ber die der S├╝llrand fixiert wird, ist abgegangen. Au├čerdem quetsche ich mir beim Schleppen mit Hilfe des Bootswagens einen Nerv an der linken Hand, so dass der untere Teil meines Daumens f├╝r den Rest des Urlaubs gef├╝hllos bleibt.

Es ist noch nicht einmal 15.00 Uhr, da haben wir unsere Sachen verstaut — wenn auch nicht f├╝rs Bilderbuch; der Kofferraum ist ungef├Ąhr doppelt so voll wie bei der Hinfahrt. Ich bezahle die 11 Euro f├╝r eine ├ťbernachtung bei dem Campingplatzbetreiber — da wir uns nach 11.00 Uhr abmelden, h├Ątte er auch mehr veranschlagen k├Ânnen — und wir halten noch ein Schw├Ątzchen ├╝ber das bevorstehende WM-Finale.

Den Campingbungalow auf dem Campingplatz Riegelspitze in Werder an der Havel, 6 km westlich von Potsdam, hat Kordula uns schon am Morgen telefonisch gesichert. Nun nehmen wir Kurs darauf. Einmal s├╝dlich um Berlin herum hei├čt f├╝r uns an diesem Tag 60 km zur├╝cklegen. An unserem Ziel wartet ein richtiger Campingplatz auf uns, so wie man sich das vorstellt, mit WCs, Duschen, einem netten Biergarten, Badestrand und Bootsanlegern. Die Bungalows sind optisch nicht ganz so gelungen wie die in L├╝bbenau, die ├Ąu├čerlich schwedischen Blockh├╝tten entsprachen und zudem direkt am Wasser lagen. Diese hier liegen gegen├╝ber dem Toilettenh├Ąuschen — ein Ausblick, an den ich mich erst gew├Âhnen muss, wohl wissend, dass diese N├Ąhe in den folgenden Tagen und N├Ąchten auch ihre Vorteile haben wird. Immerhin habe wir es sch├Ân ger├Ąumig und k├Ânnen unseren ganzen Kram erst einmal richtig ausbreiten und sortieren. Zun├Ąchst ist aber duschen und essen angesagt. In dem kleinen Biergarten am Strand verdr├╝cken wir jeder ein J├Ągerschnitzel mit Pommes.

Den Abend genie├čen wir auf der Terasse. Den kleinen Fernseher im Wohnzimmer in Betrieb zu nehmen, stellt mich zun├Ąchst vor einige Schwierigkeiten, weil erst eine Antenne eingeschaltet und ein Schalter an ihrer Unterseite in die richtige Position gebracht werden muss. Nachdem das vollbracht ist, drehe ich den Fernseher so, dass man von der Terasse aus das WM-Finale zwischen Frankreich und Italien verfolgen kann. Nebenbei kniffeln wir und sehen den anderen Campingg├Ąsten bei ihren Toiletteng├Ąngen zu. Das Spiel bringt einen unw├╝rdigen Weltmeister hervor — doch das ist mir auch schon vor dem Anpfiff klar. Bezeichnend, dass ein Elfmeterschie├čen die Entscheidung bringen muss.

Als wir uns in unser Schlafzimmer zur├╝ckziehen, erwartet uns noch eine ├ťberraschung. Eine Armeisenarmee ist von einer Ecke des Schlafzimmers her eingefallen und hat sich ├╝ber unser Gep├Ąck hergemacht, das auf dem Einzelbett an der Wand liegt. Zum Gl├╝ck haben sich nur einige wenige auf das Doppelbett verirrt, so dass wir, nachdem wir unsere Sachen gerettet haben, wenigstens unbehelligt schlafen k├Ânnen.

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