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Spree-Tour


GelÀndedarstellung: © 1998 Microsoft (Encarta)
[Do, 06. Juli 2006]

Die Planung unserer restlichen Etappeneinteilung ist nicht einfach. Den Informationen zufolge, die wir besitzen, sind die Übernachtungsmöglichkeiten auf der Strecke bis Berlin sehr viel spĂ€rlicher gesĂ€t als im bisherigen Tourverlauf. Dem Informationsschild an unserem Wasser-Wanderrastplatz in NeubrĂŒck haben wir entnommen, dass sich ein weiterer dieser RastplĂ€tze bei der Jugendherberge im 17 km entfernten BerkenbrĂŒck befinden soll. Danach gĂ€be es wohl erst wieder einen Campingplatz in Hangelsberg, bevor der letzte lange Abschnitt bis vor die Tore Berlins ohne Zeltmöglichkeit kommt. Drei Tage also noch und wir sind in Berlin, pĂŒnktlich zum WM-Finale — wenn auch ohne die deutsche Mannschaft.

Der vor uns liegende Abschnitt der Drahendorfer Spree ist schon eine kleine Besonderheit. Im Verlauf der nĂ€chsten Kilometer bescheint uns die Sonne im permanenten Wechsel mal von vorn, mal von hinten, mal von rechts, mal von links. So sehr wechselt der Fluss in dem kleinen Gebiet die Richtung und vervielfacht auf diese Weise die Luftinien-Entfernung zum Oder-Spree-Kanal auf 10 km. Diesen erreichen wir nach etwas ĂŒber zwei Stunden. Das Spreeforsthaus liegt direkt gegenĂŒber der EinmĂŒndung, und nach der großartigen Werbung, die wir am Vortag genossen haben, machen wir an dem kleinen Steg davor unser Boot fest.

Das Haus, das unter anderem auch als eine Art Landschulheim dient, wird von einer Schulklasse bevölkert, weswegen sich unsere Verköstigung in die LĂ€nge zieht. Aus dem eher eingeschrĂ€nkten Angebot wĂ€hlen wir Riesenbratwurst mit Bratkartoffeln, sowie HĂ€hnchenspieße auf Ananas-Salat. Nebenher bleibt Zeit fĂŒr jeweils zwei große Apfelsaftschorlen. Ob 0,4 Liter groß genug seien, möchte die Betreiberin wissen. Scheinbar sehen wir so durstig aus, wie wir sind. Über unser Kommen ist sie bereits im Vorraus informiert worden. Der reich behaarte Radfahrer, mit dem wir uns am Vortag in NeubrĂŒck unterhalten haben, hat uns angekĂŒndigt. Kordula nutzt den Gang zur Toilette zu einer kurzen Schnuppertour, um eine Vorstellung davon zu kriegen, wie die RAF-Prominenz von einst hier denn wohl so gelebt hat.

Da das Spreeforsthaus keine Gelegenheit bietet, sich nach dem Essen fĂŒr ein Weilchen hinzulegen, beschließen wir bei unserem Aufbruch, möglichst bald noch einmal ein PĂ€uschen einzulegen. Inzwischen hat sich der Himmel mehr und mehr mit Dunst gefĂŒllt und es ist unsĂ€glich schwĂŒl geworden, was uns in diesem Urlaub bis zu diesem Zeitpunkt erspart geblieben ist. Der Oder-Spree-Kanal liegt als breites, geradeaus laufendes GewĂ€sser vor uns, wirkt aber sehr viel naturbelassener und schöner, als ich, der ich immer mal wieder mit dem Fahrrad am Rhein-Herne-Kanal unterwegs bin, ihn mir insgeheim vorgestellt habe. Auch mit dem Schiffsverkehr ist es nicht weit her. Der Frachtschiffverkehr nach EisenhĂŒttenstadt ist wohl schon seit lĂ€ngerem eingestellt.

Nach nur zwei Kilometern finden wir ein einladendes PlĂ€tzchen am Wegesrand, das schon einigen Wasserwanderern als Zelt- und Grillplatz gedient zu haben scheint. Wir ruhen uns aus, dösen ein wenig und hören im Radio, was uns das Wetter bringen wird. Die Gewitterfront, die von Westen her in Anmarsch ist, soll erst morgen das westliche Brandenburg erreichen. Alles gelogen! Kaum, dass wir wieder auf dem Wasser sind, grummelt der Himmel ĂŒber uns und nur wenig spĂ€ter erwischt uns ein Schauer. An einer Stelle, die unserem eben erst verlassenen Rastplatz an Übernachtungs-QualitĂ€t um nichts nachsteht, steigen wir abermals aus und spannen unsere große Regenschutzplane, das Moonshadow, auf. Die Aktion lohnt sich nicht wirklich, denn bald hört der Regen wieder auf. Nach einer Weile paddeln wir weiter.

Schließlich kommt die AutbahnbrĂŒcke der A12 zunĂ€chst in Hör-, dann in Sichtweite. Bald mĂŒssen wir am Wasserwander-Rastplatz von BerkenbrĂŒck sein. Der kommt jedoch schneller als erwartet, keine 50 Meter hinter der lĂ€rmenden AutobahnbrĂŒcke. Nach den wunderschönen PlĂ€tzen zum Wildzelten, an denen wir eben erst pausiert haben, können wir uns mit der Vorstellung, hier zu ĂŒbernachten, nicht anfreunden. Im Vertrauen auf weitere schöne Zelt-Gelegenheiten in freier Wildbahn setzen wir unsere Tour fort. Wir passieren BerkenbrĂŒck, finden aber zunĂ€chst kein schönes PlĂ€tzchen mehr. Erst als die BrĂŒcke von FĂŒrstenwalde bereits in Sicht kommt, stoppen wir an einer Bucht, an der wir eben schon vorbeigepaddelt sind, weil dort ein kleines Motorboot lag und außerdem ein paar Hunde herumtollten. Nun haben wir den Platz fĂŒr uns alleine. Neben einer als Naturdenkmal gekennzeichneten "Dicken Eiche" schlagen wir unser Zelt auf, 20 Paddel-Kilometer von unserem letzten Nachtquartier entfernt. Auch das fast schon obligatorische Schwimmen lassen wir an diesem Abend nicht ausfallen.

Als ich spĂ€t am Abend draußen meine ZĂ€hne putze, sehe ich jenseits der Eiche einen Lichtschein. Fast sieht es so aus, als ob dort ein Zelt stehen muss, dessen Haut von innen heraus beleuchtet wird. Komisch nur, dass wir niemanden haben kommen sehen oder hören. Ganz wohl ist mir dehsalb nicht in meiner Haut, als ich mich zu Kordula ins Zelt zum Schlafen lege.

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