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Ein Tag in L├╝bbenau


Gel├Ąndedarstellung: ┬ę 1998 Microsoft (Encarta)
[Fr, 30. Juni 2006]

Scheinbar hat es sich herumgesprochen, dass es bei uns zum Fr├╝hst├╝ck stets leckere Sachen gibt. An diesem Morgen leisten uns zwei Enten Gesellschaft, die sich den ein oder anderen Br├Âtchenkrumen abholen. Wir gehen den Tag gem├Ąchlich an. Auf unserem Programm stehen das Vorbereiten der gro├čen Paddel-Tour nach Berlin und das WM-Viertelfinalspiel zwischen Deutschland und Argentinien. In der Rezeption erkundigen wir uns nach Bedingungen und M├Âglichkeiten, das Auto w├Ąhrend der kommenden Woche auf dem Campingplatz zu belassen. Beides ├╝berzeugt uns nicht, so dass wir beschlie├čen, uns sp├Ąter nach Park├Âglichkeiten in Bahnhofsn├Ąhe umzusehen.

Dann beginnt die Umpackerei. Wir holen die wasserdichten Packs├Ącke aus dem Auto und zerbrechen uns die K├Âpfe dar├╝ber, was dort hinein darf und was in die Taschen und darin ins Auto wandert. Der Zustand meiner Paddel stellt mich vor das n├Ąchste Problem. An den Ruderbl├Ąttern hat sich der Zahn der Zeit ein ordentliches St├╝ck abgebissen. Die beiden Paddeltouren in dieser Woche haben die R├Ąnder aufgeweicht und wellig werden lassen. Die Ersatzpaddel, die wir im Auto liegen haben, haben leider keine Tropfringe. Doch wir haben Gl├╝ck. Der Mann bei dem zum Campingplatz geh├Ârenden Bootsverleih treibt f├╝r uns ein paar alte Tropfringe in seinem Lager auf, die wir ├╝ber die Paddel ziehen k├Ânnen.

Sp├Ąter ziehen wir dann in die Stadt. Das unmittelbar bevorstehende Spreewald-Sch├╝tzenfest wirft seine Schatten voraus. ├ťberall stehen Bierzelte, Imbissst├Ąnde, B├╝hnen und Stra├čensperren. Wir fragen uns zu einer Drogerie durch, denn wir brauchen M├╝llt├╝ten, in die wir beim Paddeln unsere Isomatten stopfen, bevor wir sie unter unseren Knien verstauen. Die habe ich leider nicht eingepackt, obwohl sie zu Hause eigentlich auf meiner Liste standen. Eine Frau weist uns den Weg zur Drogerie. Die Richtung, die sie uns angibt stimmt, die Entfernung dagegen keineswegs. Anstelle der angegebenen hundert Meter latschen wir bestimmt das Vierfache, ehe wir den Laden finden, womit wir schon fast nicht mehr gerechnet haben. Nachdem wir uns mit den M├╝llt├╝ten und noch ein paar Batterien f├╝r die aufgrund unserer Kniffelabende arg strapazierte Taschenlampe eingedeckt haben, latschen wir weiter, um den Bahnhof zu finden. Als wir zur Bundesstra├če gelangen, m├╝ssen wir dort ein ganzes St├╝ck in die entgegengesetzte Richtung zur├╝ck latschen. Immerhin ergattern wir am Bahnhofsschalter ein paar Faltfahrpl├Ąne, aus denen sich die Nahverkehrsverbindungen zwischen Berlin und L├╝bbenau entnehmen lassen. Die stadteinw├Ąrts f├╝hrende Stra├če bietet sch├Âne Parkm├Âglichkeiten, die wir am n├Ąchsten Morgen f├╝r unser Auto nutzen wollen. Befriedigt treten wir den R├╝ckweg an.

Wir sind zeitig am Restaurant Fontane, um noch einen Platz in dem Zelt ergattern zu k├Ânnen, in dem ab 18.00 Uhr das WM-Viertelfinalspiel zwischen Deutschland und Argentinien zu sehen sein wird. Die Pl├Ątze ganz vorn erweisen sich nat├╝rlich als reserviert, doch weiter hinten — fast schon wieder im Freien — finden wir ein nettes Pl├Ątzchen an einem kleinen Tisch. Leider wird es im Verlauf des Abends dort etwas k├╝hl, worauf wir nicht wirklich vorbereitet sind. Die Getr├Ąnke-Versorgung verl├Ąuft angesichts des Andrangs etwas schleppend, und mein Radler schmeckt und sieht aus wie Sprite mit Bierschaum, ansonsten k├Ânnte die Stimmung ganz gut sein, wenn die deutsche Mannschaft, die wenigen Chancen, die sich ihr bieten, ein wenig besser nutzen w├╝rde. Statt dessen dr├╝ckt Anfang der zweiten Halbzeit das 0:1 auf unser Gem├╝t. Entsprechend gro├č sind Jubel und Erleichterung, als zehn Minuten vor dem Schluss der Ausgleich f├Ąllt, der uns in die Verl├Ąngerunng und schlie├člich ins Elfmeterschie├čen rettet. Nachdem das Spektakel vorbei und Argentinien ausgeschieden ist — bei der nebenher stattfindenden Tombola gewinnen wir ├╝brigens leider nicht das offizielle DFB-Trikot —, verziehen wir uns ins warme Innere des Restaurants, um uns noch etwas zu essen — R├Âstis mit R├Ąucherlachs bzw. ├╝berbackene Putenbrust mit nicht gegrillter Ananas — zu bestellen. Beim Bezahlen der drau├čen konsumierten Getr├Ąnke kommt es noch zu etwas Durcheinander. Wir haben ein Bier zu wenig auf der Rechnung, das wahrscheinlich zuvor unserem Tischnachbarn abgerechnet worden ist. Beim Bezahlen des Essens werden wir hinterher fast vergessen — die Quittung kriegen wir lange bevor wir Gelegenheit bekommen, das Geld abzudr├╝cken.

Als wir das Restaurant verlassen, herrscht in der Stadt bereits Party. Das Sch├╝tzenfest hat begonnen. Wir ziehen aber eigentlich nur durch die Stadt, um noch einen Briefkasten f├╝r die Postkarten zu finden, die ich nachmittags am Zelt geschrieben habe. Wir m├╝ssen die halbe Stadt durchforsten, ehe wir endlich einen finden. Auf dem R├╝ckweg zum Campingplatz streifen wir noch ein wenig durch den Schlosspark und tr├Ąllern Kordulas Schwester Sandra per Handy ein "Berlin, Berlin, wir paddeln nach Berlin"-Liedchen auf den Anrufbeantworter.

Auf unserem Platz ist es voll geworden. Vor unserem Zelt hat sich eine Gruppe von mehreren Dutzend Leuten aller Altersklassen breitgemacht und verwandelt das Areal mit Hilfe einiger zwischen den Zelten in einer langen Reihe stehender Tische in eine Partymeile, was den hiesigen Wohlf├╝hlfaktor deutlich absenkt. Dass unter anderm ein W├╝rstchen gegen unser Zelt geworfen wird und sich dort mit einem schmierigen Fettfleck verewigt, mindert diesen Effekt ebenso wenig, wie die Tatsache, dass sich einige der Neuank├Âmmlinge zum Pinkeln lieber an das Gew├Ąsser hinter unserem Zelt begeben als zum Toilettenh├Ąuschen. Der anstehende Abschied von L├╝bbenau wird uns unter diesen Umst├Ąnden sicherlich nicht schwer fallen. Trotzdem schade, dass dieser Teil des Urlaubs so ausklingen muss.

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