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Kleine Leipe Tour


Gel├Ąndedarstellung: ┬ę 1998 Microsoft (Encarta)
[Di, 27. Juni 2006]

Vom Br├Âtchenholen bringe ich nicht nur Br├Âtchen, sondern auch ein paar Croissants mit, die wir uns zusammen mit echtem Bohnenkaffee aus der Bodum-Kanne schmecken lassen. Anschlie├čend packen wir unsere Sachen f├╝r den ersten Ausflug mit Lisa in den Spreewald. Nach einigem Hin und Her haben wir uns entschlossen, die Kleine Leipe Tour in Angriff zu nehmen.

Das Einsetzen des Bootes an dem steilen Steg klappt ganz gut. Dann sind wir auf dem Wasser, ein herrliches Gef├╝hl. Der an dem Campingplatz vorbei flie├čende, nicht sehr breite Kanal vermittelt einem das Gef├╝hl, eine ordentliche Geschwindigkeit drauf zu haben. Wir nehmen Kurs auf Lehde, paddeln unter einer Br├╝cke hindurch und befinden uns nach wenigen Dutzend Metern bereits am ersten Wehr. Eine kleine Abzweigung nach links f├╝hrt uns zu einer Bootsrolle, die das Umsetzen des Faltbootes auf die h├Âhere Staustufe zum Kinderspiel macht. An der n├Ąchsten Kreuzung halten wir uns — die Markierung f├╝r die Kleine Leipe Tour missachtend — erst einmal rechts, weil ein Wegweiser Lehde anzeigt, was von meinem Wasserwanderatlas best├Ątigt wird. Auf dem nun breiteren Kanal begegnen uns die ersten Touristen-K├Ąhne. Kurz vor Lehde treffen wir abermals auf die Wegmarkierung, die hier von Lehde weg f├╝hrt. Verwirrt entscheiden wir uns f├╝r einen Kanal, der uns durch das idyllische Dorf f├╝hrt, vorbei an wundersch├Ânen, alten H├Ąuschen mit zum Wasser hin angebrachten Briefk├Ąsten und Bushaltestellen-Schildern, die hier die Zustiegsstellen f├╝r die Linien-K├Ąhne kennzeichnen. Anhand unserer Karte im Wasserwanderatlas k├Ânnen wir allenfalls erahnen in welchem Strang des Gewusels an blauen Linien wir uns gerade befinden.

An einer Kreuzung im Dorf kommt dann richtig Stress auf. Touristen-Kahn von vorn, Touristen-Kahn von rechts hinten. Wir werden in die Zange genommen und k├Ânnen uns noch einen d├Ąmlichen "F├╝r die braucht man nicht bremsen"-Spruch von einem der Spree-Kahn-Kapit├Ąne anh├Âren. Als wir dann geradeaus weiter paddeln, geraten wir hinter der n├Ąchsten Kreuzung in eine nach und nach enger werdende Sackgasse, aus der wir uns schlie├člich r├╝ckw├Ąrts wieder hinausman├Âvrieren m├╝ssen. Nun endg├╝ltig nicht mehr wissend, wo wir eigentlich hinsteuern, paddeln wir weiter. Irgendwann verr├Ąt uns die Beschilderung am Wegesrand, dass wir den Lehder Graben erreicht haben. Die Zeit, die wir ben├Âtigt haben, um das kurze St├╝ck nach Lehde und durch Lehde hindurch zur├╝ckzulegen, verheisst wenig Gutes. Doch in der Folgezeit kommen wir einiges z├╝giger voran. Als wir die Waldgastst├Ątte Wotschowska — das Mekka der Spreewald-Kahn-Touristen — erreichen, nehmen wir die Existenz des kleinen Paddelboot-Parkplatzes hinter dem Biergarten zum Anlass f├╝r eine Pause, in der wir uns ein wenig die Beine vertreten. Viel ist hier nicht los. Das Wochenende ist vorbei, und die Hauptsaison ist wohl noch nicht so richtig angelaufen. F├╝r das Mittagessen ist es uns noch ein bisschen zu fr├╝h, und wir beschlie├čen, uns damit erst zu belohnen, wenn wir es bis zur Polenzsch├Ąnke geschafft haben.

Hinter der Wotschofska werden die Kan├Ąle deutlich einsamer. Daf├╝r finden wir uns nun endlich einigerma├čen mit unserer Karte zurecht. Durch urspr├╝nglich wirkende W├Ąlder dringen wir immer tiefer in den Oberspreewald ein. Das Paddeln flussaufw├Ąrts gegen die praktisch unmerkliche Str├Âmung erfordert von uns keinerlei Anstrengung. ├ťber den Burg-L├╝bbener-Kanal, von dem aus wir ├╝ber ein nach links abzweigendes Flie├č in das Gro├če Flie├č gelangen, erreichen wir, nachdem wir die erste richtige Schleuse an diesem Tag zu ├╝berwinden haben, dann in der Nachmittagszeit die Polenzsch├Ąnke. An dem kleinen Anleger f├╝r Paddelboote liegen bereits zwei Klepper-Faltboote. Erst sp├Ąter, als wir deren Besitzer sehen, erkennen wir, dass es sich dabei um unsere Zeltnachbarn handelt. Auf dem mit B├Ąumen bestandenen Platz vor der Sch├Ąnke genie├čen wir die hervorragende und auch hier ├╝berraschend preiswerte Spreew├Ąlder K├╝che. Kordulas F├Ąhrmannsstulle — ein Graubrot mit Senf, Meerrettich, Gurken und Bratenscheiben — stellt einen kulinarischen H├Âhepunkt in diesem Urlaub dar. Mein Sauerkraut mit Schweinebraten ist aber auch nicht schlecht.

Schlie├člich setzen wir unsere Tour durch den Leiper Graben in Richtung Leipe fort. Unsere Zeltnachbarn brechen mehr oder weniger gleichzeitig mit uns auf, brauchen aber l├Ąnger, bis sie sich auf ihre insgesamt drei Boote — ein Kanadier ist auch noch dabei — verteilt haben. Wir haben sie bald aus den Augen verloren. Hinter einer Kreuzung kurz vor Leipe ├Âffnet sich die Landschaft. Zum ersten Mal Felder anstelle von B├Ąumen entlang der Uferlinie. Dann paddeln wir schon durch den Ort. Solange bis wir an eine Stelle kommen, wo man das Flie├č zugesch├╝ttet hat. Dahinter verl├Ąuft eine Stra├če. Uns bleibt nur der Weg zur├╝ck oder in den sehr schmalen nach rechts abgehenden Kanal unter einer Br├╝cke hindurch. W├Ąhrend wir unschl├╝ssig die Karte studieren, holen uns unsere Zeltnachbarn ein. Sie kommen nach einigem Beratschlagen zu dem Schluss, dass man rechts weiterkommen m├╝sste. Nach unserem Sackgassen-Abenteuer vom Vormittag in Lehde sind wir etwas skeptisch, paddeln aber schlie├člich doch hinterher, da der Weg zur├╝ck zur Kreuzung auf jeden Fall mit Zeitverlust verbunden w├Ąre. Schlie├člich gelangen wir aus Leipe hinaus. Eine weitere Kreuzung und wir gelangen auf die Hauptspree. Der Weg, den wir genommen haben, war also genau der, den wir laut Karte h├Ątten nehmen m├╝ssen. Gegen├╝ber einer auf unserem Weg liegenden Schleuse lockt noch eine einladende Gastst├Ątte, doch der Weg ist noch weit und der Himmel ├╝ber uns nicht mehr ganz so ungetr├╝bt wie noch am Morgen. Wir lassen uns schleusen und setzen unseren Weg auf dem nun recht breiten Flie├č fort. An der n├Ąchsten Abzweigung lassen wir uns ein Weilchen treiben, w├Ąhrend wir unsere Karte studieren. Unsere Zeltnachbarn ziehen uns dabei davon.

Kurz vor Lehde steuern wir — der Markierung folgend — nach links in den kleinen Wiesenflie├č, obgleich man auch den Weg geradeaus nehmen k├Ânnte. An einer Br├╝cke entdecken wir eine sch├Âne Stelle zum Anlanden. Daneben befinden sich Tisch und B├Ąnke — Grund genug f├╝r eine kleine Pause. Von einer Schautafel lassen wir uns ├╝ber die Fische der hiesigen Gew├Ąsser belehren. Besonders der Wels, der laut diesem Text ├╝ber einen Meter lang werden kann und sich in dieser Gr├Â├če angeblich dann auch schon mal einen Vogel, dem er habhaft werden kann, reinzieht, beeindruckt uns. Eindrucksvoller noch finden wir das Grummeln ├╝ber uns, das uns den Anmarsch eines Gewitters kund tut. Deshalb h├╝pfen wir eiligst ins Boot zur├╝ck und mobilisieren unsere letzten Kraftreserven. Bis L├╝bbenau ist es noch ein ordentliches St├╝ck — doch dann geht es doch sehr viel schneller als wir denken. Wir erreichen den S├╝dumfluter und befinden uns nicht lange danach wieder an der Bootsrolle von heute morgen. Der Regen l├Ąsst sich zum Gl├╝ck noch etwas Zeit, so dass wir es, ohne nass zu werden, bis zum Campingplatz schaffen.

Als der Regen sp├Ąter dann doch noch ein bescheidenes Stell-dich-ein gibt, spanne ich unsere Regenschutzplane, das Moonshadow ├╝ber unserem kleinen Heim auf. Wegen des nicht mehr ganz so best├Ąndigen Wetters und wegen unserer m├╝den Knochen, verzichten wir an diesem Abend auf einen Ausflug in die Stadt und machen es uns statt dessen kniffelnd vor unserem Zelt gem├╝tlich.

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